1. Bildung
1. Bildung
a) Grundsätze
Die Sicherung einer stabilen Demokratie und die Lösung anstehender Zukunftsaufgaben setzt die Entwicklung von individuellen Fähigkeiten und die persönliche Entwicklung zu einem kritikfähigen und unabhängigen Menschen voraus, der Verantwortung für sein eigenes Leben und das anderer Menschen übernehmen kann.
Die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit, die Entfaltung und Förderung ihrer unterschiedlichen Anlagen sowie lebenslanges Lernen sind dabei Leitvorstellungen der Jungen Liberalen Schleswig-Holstein.
Der für die ganze Gesellschaft gleichberechtigte Zugang zu Bildung und im Rahmen der persönlichen Fähigkeiten und Leistungen auch zum Bildungserfolg ist der Schlüssel zur Überwindung der sozialen Spaltung unserer Gesellschaft. Daher setzen die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein auf Investitionen in Bildung und Ausbildung. Denn dies ist die größte soziale, kulturelle und wirtschaftliche Chance einer Gesellschaft.
Im heutigen Informationszeitalter ist es sehr wichtig, jedem Menschen, egal welchem sozialen Milieu er entstammt, den Zugang zu Wissen, Information und Bildung zu ermöglichen. Um eine Grundlage zu schaffen, auf welcher der Mensch mit diesen Ressourcen umgehen kann, muss in der schulischen wie beruflichen Bildung dem Bürger Verständnis für wichtige Zusammenhänge ermöglicht werden, um ihm so Urteilsfähigkeit zu verleihen. Bildung hat daher nach dem Verständnis der Jungen Liberalen Schleswig-Holstein eine aufklärende, vor Unmündigkeit und Abhängigkeit schützende Funktion.
Bildung muss durch Chancengleichheit geprägt sein. Dies schließt sowohl den Zugang zum Bildung als auch einheitliche Mindeststandards in den Schulen und Wettbewerb unter den Hochschulen ein. Jeder Bildungsträger ist verantwortlich für die Qualität seiner Ausbildung und soll dafür auch verantwortlich gemacht werden können.
Die Ausbildung muss flexibler auf neue Anforderungen der Gesellschaft und Wirtschaft reagieren können. Die Behandlung aktueller Themen muss Eingang in die Lehrpläne finden. Flankierend dazu muss die Ausstattung mit neuen Medien gewährleistet sein.
Die Jungen Liberalen fordern den Mut zur Bildungselite. Bildungselite entsteht im besten Falle durch Menschen, die mehr von sich verlangen und leistungsbereiter sind als Andere. Die Hochbegabtenförderung führt in Deutschland immer noch ein Schattendasein. Wir setzen uns deshalb für eine differenzierte und möglichst frühzeitig beginnende Förderung für Kinder und Jugendliche mit besonderen Begabungen ein. Um Hochbegabung frühzeitig zu erkennen, fordern wir eine entsprechende Weiterbildung der Lehrer.
b) Kindergarten
Aufgrund der desolaten Finanzlage der Kommunen muss die private Initiative bei Kindertagesstätten und Kindergärten gefördert werden. Die öffentliche Hand sollte lediglich als letzte kontrollierende Instanz für den Bestand der Einrichtung sorgen. Außerdem fordern die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein nicht nur ein Recht auf Kindergarten-, sondern auch auf Krippenplätze.
Das Angebot an Vorschulen muss wieder eingeführt werden. Die Teilnahme daran darf nicht verpflichtend sein, darf aber auch nicht als Alternative zur 1. Klasse gesehen werden.
Bei der Betreuung in Kindergärten ist verstärkt auch auf Lerninhalte und soziale Fertigkeiten zu achten, insbesondere auch auf familiäre Missstände; ggf. müssen Hinweise auf Beratungsstellen erteilt werden.
Kinder sollten frühzeitig an eine Fremdsprache herangeführt werden. Kinder sollen „spielend lernen“. Für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ist der frühzeitige Erwerb von Kenntnissen der deutschen Sprache wichtige Bildungs- und Integrationsvoraussetzung und ein Beitrag zur Chancengleichheit im Berufsleben. Vor diesem Hintergrund sind vorschulisch und im Rahmen der Grundschule verpflichtenden Deutschkurse anzubieten.
Alle Kinder sollten frühzeitig in Vorschule und Grundschule an eine Fremdsprache herangeführt werden.
c) Grundschule
Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein treten für die vierjährige Grundschule mit verbindlichem Eignungstest in Verbindung mit dem Lehrerurteil für die weiterführende Schule ein. Das Schulsystem soll dabei durchlässig sein. Ebenso sollte Förderunterricht angeboten werden. Das traditionelle Schulnotensystem soll bereits ab der 1. Klasse der Grundschule gelten. Die Grundschule muss im Vergleich zu den anderen Schulstufen finanziell besonders gefördert werden, da in frühen Jahren die Weichen für die weitere Schullaufbahn gestellt werden.
d) Weiterführende Schulen
Die Jungen Liberalen sind der Ansicht, dass eine ständige Fortführung von Schulstrukturdebatten zu keiner Verbesserung der Bildung führt. Auch wenn die Reformen hin zu Gemeinschafts- und Regionalschulen nicht optimal waren, würde eine Debatte um die Rückkehr zu einem dreigliedrigen Schulsystem viel Energie verbrauchen, ohne die Bildung zu verbessern. Vielmehr muss die Diskussion um eine bessere Bildung sich auf inhaltliche Punkte konzentrieren. Es muss darum gehen, die jetzt bestehenden Schulen mit mehr Geld auszustatten, die Klassengrößen zu verringern und eine bessere Betreuung der Schüler sicherzustellen. Dazu gehören auch psychologische Betreuungsangebote.
Aber nicht nur für Hauptschulen gilt, dass ein individuelles Fördern jedes Schülers durch eine bessere Ausstattung der Schulen mit Schulpsychologen, Sozialpädagogen, Assistenzlehrern sowie einer grundsätzlich höheren Lehreranzahl pro Schüler erreicht werden muss. Ein ebenso wichtiger Baustein zur Verbesserung der Qualität unserer Schulen ist eine veränderte Lehrerausbildung. Der Anteil an Pädagogik und fachdidaktischen Studienanteilen muss vergrößert werden, das Lehramtsstudium ist insgesamt praxisnaher zu gestalten.
Aufgrund der Notwendigkeit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten und zur Verbesserung der Chancengleichheit müssen Ganztagsschulangebote ausgebaut werden. Den Jungen Liberalen Schleswig-Holstein ist es ein Anliegen, dass dieses Angebot auf Freiwilligkeit basiert und mit Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenbetreuung, Mensen, Nachhilfe und ähnlichen Angeboten ausgestaltet wird.
Die Schulautonomie ist dahingehend zu stärken, dass sie die von Bund, Land und Kommunen zur Verfügung gestellten Mittel nach eigenem Ermessen ausgeben können.
Die Schulen sollen Lehrer selbständig einstellen können. Denn Schulen können in den meisten Fällen besser für sich Entscheidungen treffen als Landesregierungen, die zentral Regelungen für Schulen in unterschiedlichen Umfeldern und Situationen schaffen.
Der Beamtenstatus von Lehrern ist abzuschaffen. Verpflichtende Weiterbildungen für Lehrer sind einzuführen.
e) Hochschulen
Hochschulautonomie
Die Auswahl der Studenten obliegt den Hochschulen. Dabei sollte der Zugang nicht bloß durch die Abiturnote bestimmt werden, ohne individuelle Leistungen, wie Noten in den für das Studienfach relevanten Schulfächern, soziales Engagement oder andere ehrenamtliche Tätigkeiten bei der Auswahl von Studierenden in Betracht zu ziehen. Die Jungen Liberalen fordern deshalb neben den bisherigen Regelungen in jedem Studiengang auch Plätze durch ein individuelles Aufnahmeverfahren zu vergeben. Wichtig sind objektive Beurteilungskriterien.
Studiengebühren
Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein lehnen die Einführung allgemeiner Studiengebühren in Schleswig-Holstein ab. Die Mittel für die Studienfinanzierung sind aus dem allgemeinen Staatshaushalt aufzubringen.
Die Erhebung von Langzeitstudiengebühren befürworten die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein, wo sie als Mittel der Studienzeitbegrenzung neben den Studienordnungen nötig sind.
Schneller in den Beruf
Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein befürworten eine Verkürzung der Studienzeiten. Daher muss durch eine umfassende Reform des BAFÖG sichergestellt werden, dass Studierende nicht zu Lasten ihres Studiums auf Jobs angewiesen sind.
Die Jungen Liberalen begrüßen daher grundsätzlich das Bachelor-/Master-System als Mittel zur Verkürzung von Studienzeiten und als Möglichkeit zur Durchführung von notwendigen Reformen von Studieninhalten und Studienaufbau. Kritisch sehen die Jungen Liberalen aber, dass in der Praxis die neue Studienorganisation oft zu erheblicher zeitlicher Mehrbelastung führt, die ein Arbeiten neben dem Studium zur Studienfinanzierung behindert. Auch die konkrete Durchführung der Reformen erfolgt zu oft undurchdacht. Hier besteht Änderungsbedarf.
f) Berufliche Bildung
Die Kooperation zwischen Betrieben und Berufsschulen muss verbessert werden. Zur Qualitätsverbesserung der Ausbildung sind ferner stärkere Kontrollen der IHK in den Betrieben durchzuführen; ggf. sind Hilfestellungen anzubieten.
Die Lohnnebenkosten für Auszubildende müssen gesenkt werden, um die Ausbildung für die Betriebe attraktiv zu machen.
Ein individueller Förderunterricht für Auszubildende mit Lernschwächen ist bei den Berufsschulen anzusiedeln. Um Auszubildenden eine praxisorientiertere Ausbildung zu gewährleisten, wird die Anzahl der Berufsschultage auf maximal einen Tag je Woche festgelegt. Berufsfremde Unterrichtsfächer wie Religion und Sport werden an Berufsschulen nicht weiter unterrichtet. Wir fordern außerdem, dass die materielle Ausstattung der Berufsschulen verbessert wird. Die Berufsschulen müssen verpflichtet werden, den Betrieben Rechenschaft über ihre Arbeit abzulegen.
Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein sprechen sich gegen eine Ausbildungsplatzabgabe aus. Eine solche Abgabe trifft gerade die Unternehmen, die sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befinden, und belastet sie zusätzlich. Damit ist niemandem gedient, weder den Unternehmen noch potentiellen Auszubildenden.
g) Weiterbildung
Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein fordern finanzielle Unterstützung von Menschen, die sich beruflich weiterbilden wollen. Systeme wie das Meister-Bafög sollen ausgebaut werden.
2. Kultur
2. Kultur
Die Kultur einer Gesellschaft ist immer Ausdruck ihres geistigen Zustandes und ihrer Kommunikationsfähigkeit. Die kulturellen Errungenschaften und die Werte der Gesellschaft sollten daher bereits in den Schulen wieder ein stärkeres Gewicht bekommen. Für die Kommunikation innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft und über deren Grenzen hinweg und als Träger einer Werte-, Wissens-, und Normenbasis, welche ein möglichst friedvolles, tolerantes und geregeltes Miteinander in der Gesellschaft möglich macht, ist die Kultur unabdingbar.
Kulturelle Institutionen müssen daher unterstützt werden, um neuen geistigen und künstlerischen Strömungen ein Forum zu bieten und die leibliche beziehungsweise geistige Entfaltung und Kreativität des Menschen zu fördern.
Der Staat ist seinen Bürgern gegenüber verpflichtet, diesen Zugang zu Stätten kulturellen Lebens, kulturellen Austauschs und kulturellen Wirkens zu gewährleisten. Museen, Theater, Bibliotheken, Universitäten und andere staatliche Kultur- und Bildungseinrichtungen, sowie kulturelle Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Konzerte und Aufführungen müssen daher besonders gefördert werden. Auch müssen Privatinitiativen im kulturellen Bereich stärker unterstützt werden, um Kosten einzusparen, ohne dass jedoch das Niveau und die Qualität des kulturellen Angebots in Mitleidenschaft gezogen werden.
Ein besonderes Augenmerk muss auf die Talentförderung in der Kunst- und Musikszene gelenkt werden, junge Künstler müssen besser gefördert werden. Zensur und Bevormundung von kulturellen Einrichtungen durch den Staat lehnen die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein strikt ab.
3. Forschung und Wissenschaft
3. Forschung und Wissenschaft
Die Nutzung des kreativen Potenzials für die Grundlagenforschung ist aus Sicht der Jungen Liberalen garantiert durch die Freiheit und damit Selbstverantwortung der Wissenschaft. Die Freiheit der Forschung und Lehre ist die Basis dafür, dass Forschung und Wissenschaft grundlegende Beiträge und Einsichten liefern, die den Erhalt einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft sicherstellen. Im Bereich der Wissensgewinnung muss der Wissenschaftler einen möglichst breiten Freiraum haben, indem unnötige Schranken abgebaut werden, so dass Deutschland international konkurrenzfähig bleibt. Die Forschungsfreiheit muss ohne ideologische Ausgrenzungen gewährleistet sein. Zur Konkurrenzfähigkeit gehört auch eine bedeutend stärkere finanzielle Förderung von Forschung und Wissenschaft.
Die Jungen Liberalen verstehen unter Forschungs- und Technologiepolitik eine Politik, die aus den Chancen neuer Technologien das Wohl der gesamten Bevölkerung zu mehren versucht. Eine solche Politik ist sich bewusst, dass die Chancen auch immer mit Risiken verbunden sind. Deshalb gilt es, den Informationsaustausch der an den neuen Technologien Beteiligten und der Bürger optimal zu gestalten. Im Bereich der Wissensgewinnung muss der Wissenschaftler einen möglichst breiten Freiraum haben. Die Grenzen des technischen Fortschritts sind dort erreicht, wo die Menschenwürde, die soziale Gerechtigkeit und die natürlichen Lebensgrundlagen gefährdet sind.
Das Wohl des Menschen ist für die Jungen Liberalen Richtschnur für den Umgang mit der Gentechnik. Neben den Chancen der Gentechnik gibt es auch Risiken, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Es ist Aufgabe der Politik, die öffentliche Debatte über die Chancen und Risiken zu führen und eine ethische Grenze für die Erforschung und Anwendung der Gentechnik zu ermitteln. Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein befürworten grundsätzlich das therapeutische Klonen.
Da die Entwicklung in diesem Bereich einen dynamischen Prozess durchläuft, wird die Debatte immer wieder neu geführt und die ethische Grenze immer wieder neu bestimmt werden müssen. Eine differenzierte Bewertung der einzelnen Anwendungsmöglichkeiten ist Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Gentechnik. Auch bei der ethischen Bewertung der sich durch die Gentechnik eröffnenden Möglichkeiten gilt es, verantwortungsbewusst und mit Augenmaß von Fall zu Fall eine Abwägung zu treffen. Die ethischen Aspekte dürfen in der Gentechnik-Debatte nicht vernachlässigt werden, denn nur so wird ein Bezugsrahmen geschaffen, der eine Bewertung und Standortbestimmung zulässt.

